Private Krankenversicherung – Aktuare wollen transparentere Tarife

Private Krankenversicherung – Aktuare wollen transparentere Tarife

Private Krankenversicherung – Aktuare wollen transparentere Tarife

Versicherungsmathematiker fordern einen neuen Mechanismus für Prämienerhöhungen in der privaten Krankenversicherung. Sie weisen den Vorwurf zurück, bei den Privaten würden die Beiträge stärker steigen als bei den gesetzlichen Krankenkassen.

von Ilse Schlingensiepen

Private Krankenversicherer sollten ihre Beiträge künftig regelmäßig zum 1. Januar anpassen. Das schlägt die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) vor, der Zusammenschluss der Versicherungsmathematiker. „Das würde es ermöglichen, die Beitragsentwicklung zu glätten und erhebliche Sprünge zu vermeiden“, sagte Heinz-Werner Richter vom Vorstand der DAV, im Hauptberuf Vorstandsmitglied der Barmenia Versicherungsgruppe. Für die dafür notwendigen Gesetzesänderungen gebe es aber keine politische Akzeptanz.

Starke Prämienerhöhungen bringen die PKV-Unternehmen immer wieder in die Kritik. Bislang dürfen – und müssen – die Unternehmen die Beiträge erhöhen, wenn die tatsächlichen Leistungsausgaben die kalkulierten um einen bestimmten Prozentsatz überschreiten. Dieser sogenannte auslösende Faktor beträgt bei den meisten Versicherern fünf oder zehn Prozent. Auch Änderungen in den Sterbewahrscheinlichkeiten sind ein auslösender Faktor für Prämienanpassungen.

Es wäre sinnvoll, diese Mechanik abzuschaffen und stattdessen die Prämien zu jedem Jahresanfang zu kalkulieren, sagte Christian Hofer vom DAV-Vorstand. „Das wäre auch ein Schritt, um die Tarife transparenter und vergleichbar zu machen.“ Gleichzeitig würde es den Aufwand für die Unternehmen reduzieren.

Aktuare bestreiten, dass die Beiträge für privat Versicherte stärker steigen als für Kassenpatienten

Die Aktuare haben ein Gutachten zur Beitragsentwicklung in der PKV erstellt, das sie jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt haben. Darin setzen sie sich mit einer Studie des Berliner Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) zum Wettbewerb in der PKV auseinander. Nach der Untersuchung des IGES sind die die Prämien in der privaten Vollversicherung von 1997 bis 2008 im Schnitt um 3,9 Prozent pro Jahr gestiegen, während es in der GKV 2,4 Prozent jährlich waren.

„Solche Beitragsvergleiche hinken, weil es um zwei unterschiedliche Systeme geht“, sagte Richter. „Wenn schon ein Vergleich, dann muss er auf einer einheitlichen Basis erfolgen.“ Das habe das IGES aber nicht gemacht. Die Berechnungen hätten weder die Leistungskürzungen durch das Gesundheitsmodernisierungsgesetz noch die Belastung der Versicherten durch die Einführung der Praxisgebühr oder die Bundeszuschüsse für die GKV berücksichtigt. Bei der Betrachtung der Prämienentwicklung in der PKV sei außer Acht geblieben, dass die Unternehmen seit 2000 gesetzlich verpflichtet sind, einen zehnprozentigen Beitragszuschlag zur Dämpfung der Prämienentwicklung im Alter erheben.

Unter Berücksichtigung dieser Faktoren haben die Aktuare für den Zeitraum 1997 bis 2009 eine jährliche Beitragssteigerung von 3,3 Prozent für die PKV und von 3,1 Prozent für die GKV errechnet.

Diese Werte zeigten das eigentliche Problem beider Systeme, sagte Richter. „Mit der Steigerung von drei Prozent liegen wir über der allgemeinen Inflationsrate.“ Grund sei die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen, die sogenannte medizinische Inflation.

 

Quelle: FTD.de, 01.07.2011
© 2011 Financial Times Deutschland

 

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